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Gründer von Sergej Laurentius

Sergej Laurentius

Wir sind uns an einem Monocle-Markt begegnet, und ich war sofort fasziniert von der Freude, die Sergej ausstrahlt. Sie steckt auch in allem, was er macht. Gleichzeitig zeugen seine Kreationen von einem enormen Qualitätsanspruch, viel Hartnäckigkeit und einer fast schon obsessiven Liebe zum Detail. Hier steckt definitiv der Teufel im Detail. ◡̈

Deine Marke gibt es seit 2012. Wenn du heute zurückblickst: Was war damals der entscheidende Moment, an dem du wusstest, dass du diesen Weg gehen möchtest?

Es gab wahrscheinlich gar nicht den einen Moment, an dem mir plötzlich alles klar war. Eigentlich entstand die Marke eher aus einer Not heraus. Ich war auf der Suche nach einer Weekender-Tasche, die genau meinen Vorstellungen entsprach, aber ich habe sie einfach nicht gefunden. Irgendwann sagte ich mir: «Dann probiere ich sie eben selbst zu entwerfen und herstellen zu lassen.» Aus dieser einen Idee entstand Schritt für Schritt meine eigene Marke. Wenn ich heute darauf zurückblicke, hätte ich damals nie gedacht, wohin mich diese Reise einmal führen würde.

Die britische Kultur und ihr zeitloser Stil prägen deine Kollektionen. Was fasziniert dich bis heute so sehr an diesem Erbe?

Mich fasziniert die reiche Kulturgeschichte Grossbritanniens und die Art, wie dort Traditionen bis heute gepflegt werden. Besonders beeindruckt mich die grosse Wertschätzung für echtes Handwerk. Gerade auf Reisen durch Grossbritannien spürt man dieses Heritage an jeder Ecke. Wenn ich in London bin, führt mich mein Weg fast immer an die weltberühmte Savile Row. Es fasziniert mich jedes Mal aufs Neue, wie aus einem einfachen Stück Stoff mit grossem handwerklichem Können ein massgeschneiderter Anzug entsteht.

Diese britische Art hat mich bereits seit meiner Kindheit inspiriert. Gleichzeitig bin ich auch in einer Familie aufgewachsen, in der Handwerk und Unternehmertum eine grosse Rolle spielten. Meine Grossmutter führte eine Druckerei in Luzern, mein Grossvater in Schweden mehrere Elektrofirmen mit einem eigenen Fachgeschäft. Auch meine Mutter ist sehr handwerklich begabt. Schon als Jugendliche nähte und strickte sie, und tatsächlich hat sie fast alle Kleider, die ich als Kind getragen habe, selbst gemacht. Mein Vater wiederum hat mich mit seinem unternehmerischen Wissen und seiner Denkweise geprägt. Rückblickend haben mich diese Einflüsse wahrscheinlich stärker geprägt, als mir bewusst ist.

Du sprichst oft von Qualität, Handwerkskunst und Produkten, die ein Leben lang begleiten sollen. Warum sind diese Werte für dich wichtiger denn je?

Weil ich überzeugt bin, dass Zeit ein wichtiger Bestandteil von Qualität ist. Gerade heute, wo vieles schnell produziert und ebenso schnell wieder ersetzt wird, möchte ich Produkte schaffen, die viele Jahre Freude bereiten. Vielleicht sind meine Produkte nicht die günstigsten, dafür entstehen sie mit hochwertigen Materialien und viel Handarbeit. Das macht sie langlebig und gleichzeitig nachhaltiger.

In einer Welt, in der vieles immer schneller und kurzlebiger wird, setzt du bewusst auf Beständigkeit. Was bedeutet nachhaltiger Konsum für dich persönlich?

Ich kaufe selbst sehr bewusst ein. Lieber investiere ich in etwas Hochwertiges, von dem ich weiss, dass es viele Jahre hält und mit viel Sorgfalt hergestellt wurde.

Deshalb unterstütze ich auch gerne kleinere, oft unbekannte Manufakturen und Marken, die dieselben Werte vertreten. Auch ich produziere bewusst nur kleine Stückzahlen. Das bedeutet zwar höhere Kosten, aber gleichzeitig weniger Verschleiss und jedes Produkt erhält dadurch einen ganz eigenen Charakter. Das macht für mich den Unterschied.

Jedes deiner Produkte erzählt eine Geschichte. Gibt es ein Stück aus deiner Kollektion, das dir besonders am Herzen liegt – und warum?

Jedes Produkt erzählt tatsächlich seine eigene Geschichte. Das persönlichste Projekt, an dem ich derzeit arbeite, begleitet mich bereits seit über 10 Jahren, darüber darf ich allerdings noch nicht allzu viel verraten! ;) 

Wenn ich mich für ein bestehendes Produkt entscheiden müsste, wäre es ganz klar der Leather Weekender. Mit ihm hat alles begonnen. Es war das erste Produkt meiner Marke und bis heute ist er Teil der Kollektion. Deshalb wird er immer einen ganz besonderen Platz in meinem Kollektion haben.

Deine Marke verbindet traditionelle Handwerkskunst mit einer modernen Handschrift. Wie findest du die Balance zwischen Bewährtem und Neuem?

Das ist wahrscheinlich eine der grössten Herausforderungen überhaupt. Ich versuche, jede Kollektion behutsam weiterzuentwickeln, ohne den Charakter der Marke zu verlieren.

Wenn man meine ersten Taschen mit der aktuellen Collection 25 vergleicht, erkennt man diesen Wandel gut. Besonders stolz bin ich auf das neue biobasierte, wasserdichte Segeltuchmaterial, nach dem ich sehr lange gesucht habe. Es vereint moderne Funktionalität mit der warmen Haptik und dem Charakter eines klassischen Baumwollstoffes, genau diese Verbindung fasziniert mich.

Du arbeitest mit viel Liebe zum Detail. Gibt es einen Aspekt deiner Arbeit, den Kundinnen und Kunden oft gar nicht wahrnehmen, der dir aber besonders wichtig ist?

Viele unterschätzen, wie viele einzelne Arbeitsschritte und wie viel Handarbeit in einem Produkt stecken. Von der Materialauswahl über die kleinsten Details bis hin zur Verarbeitung wird alles mit grosser Sorgfalt umgesetzt. Genau diese unsichtbaren Details machen am Ende den Unterschied.

«Never stop dreaming» ist mehr als nur ein Satz – es wirkt fast wie ein Lebensmotto. Was bedeutet dieser Leitspruch für dich heute?

Seit meiner Kindheit war ich ein Tagträumer. Heute bedeutet mir dieser Leitspruch mehr denn je. Mein Leben wurde immer wieder von äusseren Umständen geprägt, und ich glaube, ohne Träume hätte ich nie den Mut gefunden, meine eigene Marke aufzubauen. Träume sind ein grosser Bestandteil meines Lebens.

Auch heute arbeite ich an einem Projekt, von dem ich nie zu träumen gewagt hätte und vielleicht wird genau dieser Traum bald Realität. Deshalb glaube ich fest daran: Man sollte nie aufhören zu träumen! 

Was macht für dich ein richtig gutes Frühstück aus?

Für mich ist ein gutes Frühstück leicht, frisch und unkompliziert. Müsli gehört unbedingt dazu und als grosser Kaffeeliebhaber darf natürlich auch ein richtig guter Kaffee nicht fehlen!  ☕;)

Aha, und wie geniesst du Müsli/Granola am liebsten?

Ganz klassisch mit Joghurt oder Milch, etwas Honig, frischen Früchten und einer Prise Zimt. Dazu ein guter Kaffee mit einem Schuss schwedischer Hafermilch von Oatly. Als halber Schwede gehört das für mich einfach dazu! :) 

Interview & Fotos: Sibylle, Locations: Monocle Zürich, & Tiny Factory Zürich

Models: Sergej & Giorgio, ein spontaner Kunde von Sergejs Brillenkollektion ☺︎

Besuche Sergej Laurentius